#34: Ist Deutschland auf die extreme Hitze vorbereitet?
Es wird immer heißer, und wir sind nicht vorbereitet.
Heute, am Samstag, feiere ich meinen Geburtstag bei einem Freund auf dem Land. Es wird ein brütend heißer Tag.
Das hat mich zum Nachdenken über das Wetter gebracht.
Es wird von Jahr zu Jahr heißer. Trockenperioden werden schlimmer, aber auch extreme Regenfälle und Überschwemmungen treten häufiger auf. Im vergangenen Winter gab es – so schien es zumindest – mehr Schnee als seit Jahrzehnten nicht mehr.
Und doc hsind der Klimawandel und die Umwelt in den Hintergrund geraten, da Kriege, Trump und KI unsere Aufmerksamkeit voll in Anspruch nehmen.
Es ist, als hätten wir vergessen, dass das Klima für unsere Existenz als Spezies von grundlegender Bedeutung ist.
Der Klimanotstand ist Realität. Deutschland ist davor nicht gefeit.
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Immer wieder werden Hitzerekorde gebrochen. Die bislang höchste in Deutschland gemessene Temperatur liegt bei 41,2 °C – gemessen in Duisburg-Baerl und Tönisvorst in Nordrhein-Westfalen. Dies geschah am 25. Juli 2019.
Das heißeste Jahr seit Aufzeichnungsbeginn war laut Deutschem Wetterdienst das Jahr 2024 mit einer Durchschnittstemperatur von 11,19 °C.
Der Frühling 2025 war der trockenste in Deutschland seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881.
Doch was ist schon verkehrt an etwas wärmerem Wetter in einem kalten Land? – Das mag man sich fragen.
Hier ist eine unvollständige Aufzählung der Auswirkungen auf Deutschland:
Eine Dürre im Jahr 2018 verursachte durch Ernteausfälle Schäden in Milliardenhöhe in der Landwirtschaft. 8.000 Landwirte beantragten Soforthilfe; am stärksten betroffen waren Brandenburg und Sachsen-Anhalt.
Aufgrund höherer Temperaturen und Trockenheit werden die deutschen Wälder anfälliger für Krankheiten und Schädlinge wie den Borkenkäfer. Dies führt zu mehr Waldbränden und Schäden an Lebensräumen.
Temperaturen von über 30 °C lassen Beton aufbrechen und Bahngleise sich verformen, was Sperrungen von Autobahnen, Brücken und Bahnstrecken zur Folge hat.
Heiße Tage lassen die Strompreise aufgrund des erhöhten Kühlbedarfs in die Höhe schnellen.
Niedrige Wasserstände im Rhein und in anderen großen Flüssen behindern den Transport und beeinträchtigen die Industrie.
Arten aus wärmeren Klimazonen wandern nach Norden – etwa die giftigen Raupen des Eichenprozessionsspinners, die mehrere Bäume an der Schule meines Sohnes befallen haben.
Und schließlich ist auch die menschliche Sterblichkeit direkt betroffen: Eine in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichte Studie schätzt, dass es in Deutschland zwischen 2014 und 2023 zu 48.000 vermeidbaren hitzebedingten Todesfällen kam.
…und dann sind da noch die Überschwemmungen
Im Juli 2021 brachte ein außergewöhnliches Tiefdruckgebiet namens „Bernd“ innerhalb von 72 Stunden 150 mm Niederschlag über das Ahrtal und Teile Belgiens – mit verheerenden Folgen: 200 Todesopfer und Schäden in Höhe von 33 Milliarden Euro. Das Leben von 42.000 Menschen wurde völlig aus der Bahn geworfen. Drei Viertel der Todesfälle ereigneten sich in Gebieten, die nicht einmal als Hochwasserzonen gilten. Es war die tödlichste Flutkatastrophe der jüngeren deutschen Geschichte. Solche extremen „Starkregenereignisse“ treten statistisch gesehen nur alle 400 Jahre auf, doch nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) erhöht der menschengemachte Klimawandel die Wahrscheinlichkeit ihres Auftretens.
Mit steigenden Temperaturen nimmt die Fähigkeit der Luft zu, Wasserdampf aufzunehmen. Diese erhöhte Aufnahmekapazität führt – zusammen mit der stärkeren Verdunstung über den wärmeren Meeresoberflächen – dazu, dass die Luft über dem Meer mehr Feuchtigkeit aufnimmt. Gelangt diese Luft anschließend über Land, steht mehr Wasser für Niederschläge zur Verfügung, was zu heftigeren Regengüssen führt. – Clean Energy Wire
Kurz gesagt: Deutschland wird nicht nur heißer. Es wird stellenweise trockener, andernorts hingegen nasser.
Die deutsche Klimapolitik erreicht zwar mehr oder weniger ihre Ziele, wird den Temperaturanstieg jedoch in absehbarer Zeit nicht bremsen. Angesichts der weltweiten Unruhen an so vielen anderen Fronten ist das Klima zu einem zweitrangigen Problem geworden – selbst für Politiker, denen das Thema eigentlich am Herzen liegt.
Die Regierung Merz hat den Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor verlangsamt, das Gesetz der Scholz-Regierung für nachhaltige Heizsysteme aufgeweicht und die Steuern auf Flugreisen gesenkt. Die Prioritäten von Merz und Co. scheinen darin zu liegen, die Wirtschaft anzukurbeln und Umweltmaßnahmen abzuschwächen, von denen sie befürchten, dass sie Wähler in die Arme der AfD treiben könnten.
Ach ja, die AfD: Sie halten den menschengemachten Klimawandel überhaupt nicht für ein Problem.
Aber ob wir daran glauben oder nicht – das Klima wandelt sich. Wir werden uns anpassen müssen.
Es gibt zumindest eine Strategie
Die Ampelkoalition unter Olaf Scholz hat 2024 eine Strategie zur Klimaanpassung auf den Weg gebracht – eine Aktualisierung eines Dokuments aus dem Jahr 2008. Darin verpflichtet sich Deutschland zu einer ganzen Reihe von Maßnahmen: von Baumpflanzungen zur Schattenspendung und der Bereitstellung öffentlicher Trinkwasserbrunnen über die Verstärkung von Straßen und Gebäuden in hochwassergefährdeten Gebieten bis hin zur besseren Bewältigung von Pollenallergien (die ebenfalls zunehmen).
Hinzu kommt die NINA-App, die Warnungen verschickt, wenn in Ihrer Nähe etwas Katastrophales geschieht – sei es ein Stromausfall, ein Hochwasser oder ein militärischer Angriff. NINA ist in acht Sprachen verfügbar.
Auch Städte versuchen, sich an die Hitze anzupassen …
🚢 Hamburg erhöht seine Deiche, errichtet Sturmflutsperrwerke und renaturiert Feuchtgebiete, um sich vor dem steigenden Meeresspiegel zu schützen.
🏞️ Bayern renaturiert natürliche Überschwemmungsflächen entlang von Donau und Isar, damit sich das Wasser bei Starkregen ausbreiten kann.
🧽 Köln entwickelt sich zur „Schwammstadt“, indem es Grünflächen ausbaut, um Regenwasser aufzunehmen und dessen Abfluss zu verlangsamen.
🌳Berlin pflanzt bis 2040 eine Million Bäume.
Doch unter Merz werden die staatlichen Zuschüsse für Anpassungsmaßnahmen gekürzt. Der 500 Milliarden Euro schwere Investitionsfonds der Regierung fließt größtenteils in Technologien zur Bekämpfung des Klimawandels und in den Infrastrukturausbau, statt in Anpassungsmaßnahmen. Merz bezeichnet dies als „Klimapragmatismus“.
In einigen Städten führt der Rechtsruck dazu, dass weniger Mittel für die Klimaanpassung bereitgestellt werden. In Magdeburg sind CDU und AfD seit den Wahlen 2024 die stärksten Fraktionen im Stadtrat. Im vergangenen Monat strich der Rat die Gelder für Anpassungsprogramme massiv zusammen – obwohl der städtische „Hitzeplan“ prognostiziert, dass die gefühlte Temperatur in der Innenstadt innerhalb der nächsten 20 Jahre auf 52 °C ansteigen könnte.
Es überrascht nicht, dass Magdeburg – eine Stadt mit vielen versiegelten und betonierten Flächen, die sich im Sommer stark aufheizen – im „Hitze-Check 2026“-Bericht der Deutschen Umwelthilfe schlecht abgeschnitten hat; dieser Bericht bewertet, wie gut Städte auf steigende Temperaturen vorbereitet sind.
Zudem hat die Magdeburger Innenstadt im letzten Jahrzehnt 70.000 Schattenspender durch Baumaßnahmen verloren. Anstatt neue Bäume zu pflanzen, genehmigt der Stadtrat ein brandneues Parkhaus für 600 Autos im Zentrum. 🤦🏻
Danke fürs Lesen und einen kühlen Kopf bewahren!
Maurice
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